07/04/14

Kindertagespflege feiert einjähriges Jubiläum

FÜRTH - Eltern, die ihr Kind in die Obhut einer Tagesmutter geben, treibt oft eine Sorge um: Was, wenn die Ersatzmama einmal plötzlich krank wird oder in den Urlaub fährt? In Fürth gibt es einen Kindertagespflege-Stützpunkt als Ersatz. 

 Luba Gruber ist sehr stolz auf dieses Buch. Es hat einen bunten Einband, darauf sind fünf lachende Kinder zu sehen. Die Eltern der Kleinen, die Gruber als Tagesmutter betreut hat, haben ihr das Fotobuch zum Dank geschenkt – und als Erinnerung. Denn jetzt gehen sie in den Kindergarten und Gruber ist in Babypause, sie ist selbst schwanger. Zwischen Beginn des Mutterschutzes und Kindergartenstart lagen allerdings vier Wochen. 

Doch Gruber hat jemanden gefunden, der für sie den Monat überbrückt: Christa Schneider. Auch sie ist ausgebildete Tagesmutter — und arbeitet als Springerin am Kindertagespflege-Stützpunkt in der Fürther Innenstadt. Der ist ein Kooperationsprojekt zwischen dem Familienbüro Stein, das die Kindertagespflege in der Region koordiniert, der Stadt Fürth, die einen Großteil des Projekts finanziert, und dem Kinder- und Jugendhilfezentrum Fürth (KJHZ), das die Räume zur Verfügung stellt. 

„Stützpunkt“ — das klingt nur wie eine Militärbasis, in Wirklichkeit sieht es im Erdgeschoss der Königstraße 125 aus wie in jeder anderen Einrichtung, in der Kinder herumtoben. Bobbycars und Kuscheltiere stehen herum, am Boden liegen Spielteppiche, an den Wänden stehen Stockbetten. Es gibt zwei Betreuungsräume und einen zum Schlafen, eine Küche und eine Toilette. Zwei ausgebildete Tagesmütter arbeiten in der Einrichtung — im Notfall sollen sie sofort einspringen können. Das erfordert eine hohe Flexibilität, hebt Sabine Rosentritt, die im Familienbüro für die Stadt Fürth verantwortlich ist, hervor: „Eine verlässliche Freizeitplanung ist für die Springerinnen nur begrenzt möglich.“ 

Gewöhnung ist wichtig

Sollte einmal keine Tagesmutter ausfallen, sind die Springerinnen nicht beschäftigungslos: Sie kümmern sich darum, dass die Kinder auch bei ihnen nicht fremdeln, und halten Kontakt zu den mit dem Stützpunkt kooperierenden Pflegemüttern und deren Pflegekindern, die sich so auch an ihre zweite Ersatzmama gewöhnen können.

Dass für Ersatz gesorgt wird, ist wichtig. Schließlich gelten die flexiblen Zeiten als ein Vorteil der Tagespflege. Neben dem Stützpunkt, der seit August geöffnet ist, gibt es noch andere Modelle, etwa ein Vertretungsnetzwerk, bei dem sich die Tagesmütter gegenseitig aushelfen. 

Vertretungen sind gesetzlich vorgeschrieben und ein Argument, um Eltern von dieser Form der Kinderbetreuung zu überzeugen. Denn die Tagespflege wird in Fürth nicht mehr richtig angenommen. 235 Plätze stünden zur Verfügung — belegt sind laut Peter Modschiedler, dem stellvertretenden Leiter des Jugendamtes, nur 140. Vor einem Jahr waren es noch 180. „Wir versuchen zu ergründen, woran das liegt“, sagt Modschiedler. 

Die Kommune hat durchaus ein Interesse daran, dass mehr Eltern auf die Tagespflege zurückgreifen. Dabei fallen für sie nämlich weniger Kosten an als bei Krippenplätzen. Eine mögliche Erklärung, warum viele ihre Kleinsten lieber in die Krippe schicken: Das Tagespflege-Angebot ist nicht bekannt genug, dazu hat der starke Ausbau von Krippen den Tagesmüttern Konkurrenz gemacht. 

Aber, glaubt Modschiedler, es gebe auch eine Scheu bei manchen Eltern, ihre Kinder in einem privaten Raum – Tagesmütter arbeiten oft in ihren eigenen vier Wänden – betreuen zu lassen. Die Sorge hält er für unbegründet, schließlich gebe es strenge Vorgaben, die vom Jugendamt etwa über Hausbesuche kontrolliert würden.  

Alexander Pfaehler, Fürther Nachrichten