02/08/15

Mehr Geld für Tagesmütter

Man werde, sagte Jugendhilfeplanerin Tabea Höppner im zuständigen Ausschuss, das Entgelt „sehr deutlich erhöhen“. Etwa 60 sogenannte Tagespflegepersonen – in der Regel Frauen – gibt es derzeit im Landkreis. Wer ein Kind acht Stunden pro Tag betreut, verdiente bisher 492 Euro im Monat. Künftig soll diese Summe auf knapp 694 Euro steigen. Wobei es dann auch keine Rolle mehr spielen wird, ob die Mädchen und Jungen unter oder über drei Jahre alt sind.

Das stolze Plus von 41 Prozent relativiert sich allerdings beim Blick auf den Stundenlohn, der nach dem einstimmig erfolgten Beschluss des Gremiums bei 4,03 Euro pro Kind und Stunde liegt. Höppner räumte im Laufe ihrer Präsentation denn auch ein, dass man sich im Landkreis trotz der deutlichen Steigerung noch „ganz weit unten“ bewegen werde – gemessen daran, was etwa der Bundesverband für Kindertagespflege empfiehlt. Das sind nämlich 5,50 Euro.

Ausgehend von einer täglich achtstündigen Betreuung – laut Aussage von Jugendamtsleiterin Ute Hallenberger sind im Landkreis aber eher fünf bis sechs Stunden die Regel – setzt sich der Betrag wie folgt zusammen: Eine Grundpauschale (328 Euro), ein Qualifizierungszuschlag (65,60 Euro), der 20 Prozent der Grundpauschale beträgt. Und eine Sachaufwandspauschale inklusive Essensgeld in Höhe von 300 Euro. Zusatzzahlungen der Eltern, beispielsweise Spielgeld, soll es künftig nicht mehr geben.

Über die nun steigenden Elternbeiträge finanzieren aber auch Mütter und Väter das Vorhaben mit. Wer sein Kind fünf bis sechs Stunden von einer Tagesmutter betreuen lässt, zahlt künftig 235 Euro statt wie bisher 193,50. Zum Vergleich: In der Krippe werden für den identischen Zeitraum inklusive Essensgeld und anderer Ausgaben im landkreisweiten Durchschnitt 265,21 Euro fällig.

Billiger wird es in der Tagespflege jetzt auch für Geschwisterkinder. Analog zu den Kindertagesstätten soll die Ermäßigung 20 Prozent betragen. Für das laufende Jahr rechnet das Jugendamt durch die Erhöhung mit einem Defizit von rund 154 000 Euro, entsprechend wurde der Haushaltsansatz nach oben gesetzt. 

Nicht daran zu rütteln

Tabea Höppner stellte klar, dass an dem Schritt, der sich an den Empfehlungen des Bayerischen Landkreistags anlehnt, nicht zu rütteln sei, wolle der Landkreis nicht Gefahr laufen, dass seine über Jahre aufgebaute Struktur in der Tagespflege kaputt gehe. Weniger zu zahlen und gleichzeitig, wie vom Gesetzgeber gefordert, Zuwendungen der Eltern zu unterbinden, das funktioniere nicht. Dann würden die Tagesmütter abspringen, prognostizierte Höppner.

Auch am Stundensatz von vier Euro führt kein Weg vorbei. Bundesweit sind bereits Gerichtsprozesse gegen eine nicht leistungsgerechte Bezahlung anhängig. In Bayern gibt es dazu zwar noch keine richterliche Entscheidung, aber auch im Landkreis, diese Äußerung fiel im Gremium, gebe es „klagewütige Tagesmütter“.

Für Großtagespflegestellen, in denen maximal bis zu zehn Kinder gleichzeitig betreut werden, zahlt der Landkreis ebenfalls mehr. Einen Zuschuss von 120 Euro pro vom Landkreis belegten Platz schlug das Jugendamt vor. Zwei solcher Institutionen – in Stein und Oberasbach – gibt es. Für diese Finanzierung müsse man sorgen, so Landrat Matthias Dießl, ansonsten machten die Einrichtungen zu. 

Harald Ehm, Nordbayern.de