Zahlen zeigen Zukunft

Erstens: Die Zahl der in öffentlich geförderter Kindertagespflege betreuten Kinder stieg von 101.641 im Jahr 2015 auf 107.150 im Jahr 2016. Das ist erfreulich und entspricht dem Trend der letzten Jahre. Damit einher geht auch eine Steigerung des Anteils der Kindertagespflege an der gesamten Tagesbetreuung von Kindern unter drei Jahren von 14,6 auf 14,9 Prozent. 85,1 Prozent der Eltern von U3-Kindern nutzen allerdings die Tagesbetreuung in Einrichtungen. Vom ursprünglichen Zwei-Drittel/Ein-Drittel-Ziel sind wir nach wie vor weit entfernt. 

Zweitens: Die Zahl der Tagespflegepersonen dagegen sank zum zweiten Mal in Folge 
(- 1,4 % nach – 1,7 % 2015) von 44.098 auf 43.489 Personen. Das bedeutet auch, dass die Zahl der betreuten Kinder pro Tagespflegeperson weiter steigt.

Drittens: Es gibt höchst unterschiedliche Entwicklungen in den Bundesländern. In Nordrhein-Westfalen stieg nicht nur die Zahl der betreuten Kinder in Kindertagespflege um über 3.000 Kinder an, sondern auch die Zahl der Tagespflegepersonen um rund 400 Personen auf 13.524. In allen anderen Bundesländern nahm die Zahl der Tagespflegepersonen ab oder stagnierte. NRW bildet damit eine Ausnahme, die allerdings aufgrund der hohen Bevölkerungszahl des Bundeslandes statistisch für erhebliche Verzerrungen sorgt. Läge NRW im Bundestrend, hätten wir einen sehr viel deutlicheren Rückgang der Tagespflegepersonen. Auch der Anstieg der betreuten Kinder fiele dann deutlich geringer aus. Betrachtet man nur die neuen Bundesländer und Berlin, dann haben wir hier nur einen minimalen Anstieg von gerade 100 Kindern. 

Mit Sarkasmus könnten wir von einem Trend „Ausbau West – Abbau Ost“ sprechen. So stieg die Zahl der betreuten U3-Kinder in Baden-Württemberg von 10.267 auf 11.124, in Hessen von 7.373 auf 7.750 und in Schleswig-Holstein von 5.036 auf 5.297 Kinder an. In den neuen Bundesländern dagegen ergibt sich ein uneinheitliches Bild: In Sachsen sanken die Zahlen der betreuten U3-Kinder von 7.203 auf 7.197, in Mecklenburg-Vorpommern von 4.288 auf 4.235. Anders in Brandenburg: Dort stiegen sie von 3.951 auf 4.030, in Thüringen von 1.100 auf 1.202.  Der geringe "Aufschwung" hängt im Osten sicher auch mit der bereits sehr hohen Betreuungsquote zusammen, während der Westen noch aufholt. Eines haben jedoch alle Länder (mit Ausnahme NRWs) gemeinsam: Die Zahl der Tagespflegepersonen sinkt. 

Bei der statistischen Auswertung müssen wir allerdings zwei Dinge im Hinterkopf behalten. Gezählt wurden nur die Kinder unter drei Jahren in Kindertagespflege. Wie sich die Zahl der Kinder über drei Jahren bis zum Schulalter und darüber hinaus in der Kindertagespflege entwickelt hat, sagen uns die Zahlen nicht. Außerdem ist nicht zu übersehen, dass der massive Ausbau der Kindertagesbetreuung Auswirkungen auf die Kindertagespflege haben wird: Innerhalb eines Jahres stieg die Zahl der Einrichtungen von 54.422 auf 54.823. Es wurden also rund 400 Kitas, Krippen etc. zusätzlich gebaut und in Betrieb genommen. 

Was bedeuten diese Zahlen nun für die nähere Zukunft der Kindertagespflege? 

Positiv ist, dass ein größerer Teil der Eltern die Kindertagespflege als bessere Betreuungsform für seine Kinder empfindet - und das trotz eines größeren Angebotes an Kitas. Das heißt für die Kindertagespflege, weiterhin und zukünftig noch stärker den Aspekt der Qualität und die besonderen Spezifika – familiennahe Betreuungsform, enge Bindung, kleine Gruppe – herauszustellen und den Eltern zu vermitteln. Dazu kommt die stetig verbesserte Qualifikation von Tagespflegepersonen, insbesondere mit dem neuen kompetenzorientierten Qualifizierungsprogramm, das inzwischen die ersten Teilnehmer/-innen durchlaufen haben. Qualität und Qualifikation sind deshalb die beiden Eigenschaften, mit denen die Kindertagespflege punkten kann. 

Die Zahlen machen aber auch deutlich, dass die stetige Zunahme der Zahl der Tagespflegepersonen vorbei ist. Der Gipfel ist überschritten. Dazu kommt die Zunahme der Zahl der Kinder pro Tagespflegeperson, die zu denken geben muss. Wenn einer der wichtigsten Vorteile gegenüber der Betreuung in der Kita – die kleine Gruppe – erhalten bleiben soll, sollte der Trend nicht in Richtung auf fünf (vom Gesetzgeber maximal erlaubte) gleichzeitig anwesende fremde Kinder gehen, sondern eher in die andere Richtung. Das freilich erfordert eine andere Fördersystematik und Vergütung, die eine existenzsichernde Arbeit der Tagespflegeperson erlaubt. 

Wir können gespannt sein, welche zusätzlichen Informationen die genaue Auswertung des Statistischen Bundesamtes im September noch erbringt. Für den Bundesverband bestätigt sich die Zielrichtung, an der Steigerung der Qualifikation mitzuwirken und auf qualitätssichernde und qualitätsverbessernde Maßnahmen hinzuwirken. Qualität geht vor Quantität – im Sinne einer hochwertigen Bildung, Erziehung und Betreuung unserer Kinder. 

Heiko Krause, Geschäftsführer des Bundesverbandes für Kindertagespflege